Steuern in Deutschland / staatlicher Eingriff - Erziehung (Forum)
Der Nachholbedarf besteht insbesondere auch, weil in den Köpfen Vieler einfach noch das alte Rollenmodell: Vater Geld verdienen/Karriere machen - Mutter zuhause bleiben/Kinder erziehen verankert ist. Für einige sind Mütter, die zu früh wieder arbeiten gehen immer noch Rabenmütter. Laut aussprechen werden es heute die wenigsten, aber es denken immer noch zu viele so. Und genau aufgrund dieser Denke ist bei uns das Netz an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder fast aller Altersstufen immer noch zu wenig ausgebaut. Im Osten der Republik ist das anders.
Was ist daran falsch, wenn Kinder (zumindest ab Nachmittag) von den Menschen betreut werden die sie lieben? Ich möchte jetzt nicht von "Abschiebung" sprechen aber ich finde es nicht gut, wenn Menschen Kinder bekommen und sich dann nicht selbst um Ihre Sprösslinge kümmern. Das man in Deutschland ohne Doppeleinkommen in den meisten Fällen nicht gut leben kann (hohe Steuern bei hohen Kosten) ist doch das Problem und nicht wenn ein Elternteil daheim bleibt um die Kinder zu betreuen. Vormittags im Kindergarten ist wichtig um, gerade bei Einzelkindern, eine höhere Sozialkompetenz aufzubauen, aber Ganztagsbetreuung ist doch nicht "besser" als wenn sich ein Elternteil Nachmittags "individuell" um die eigenen Kinder kümmert.
Auch wenn ich in meiner individuellen Situation davon profitiere, bin ich doch der Meinung, dass das Ehegattensplitting dringend abgeschafft gehört. Es stammt aus den 50er oder 60er Jahren, als das Modell noch uneingeschränkt galt und machte aus damaliger Sicht Sinn. Heute verhindert es oft, dass Frauen Vollzeit arbeiten und Karriere machen. Deshalb bleibt es meist dabei, dass der Mann arbeiten gehen muss, weil damit das notwendige Familieneinkommen leichter erzielt werden kann. Für Frauen lohnt es sich aufgrund des Steuerrechts nicht wirklich, auch in Vollzeit zu arbeiten. Durch diese beiden Stellschrauben (Betreuungsmöglichkeiten/Steuerrecht) wird zementiert, dass Frauen weniger Führungspositionen wollen und/oder bekommen. Das ist von den konservativen alten Herren auch so gewollt.
Auch hier sehe ich bei uns "das Problem" nur in Führungspositionen da sich "Normalverdiener", zumindest in München aufgrund der Steurlast und den hohen Kosten gar nicht leisten können nicht beide zu arbeiten. Wir haben eine Frau in einer Führungsposition wo der Mann daheim bei den Kindern ist bzw. jetzt, da die Kinder schon älter sind, wieder im Job. Ohne das Ehegattensplitting wären einfach mehr Steuern gezahlt worden, nur weil man als Familie entschieden hat sich gut um die Kinder zu kümmern und eben ein Elternteil nicht Vollzeit (bzw. in diesem Fall gar nicht) arbeitet. Warum sollte Deiner Meinung nach der Staat nicht unterstützen wenn sich Eltern (selbst) gut um die Kinder kümmern. Nicht alles aus den 50er/60er Jahren ist schlecht und so lange das Gesetz auch "erlaubt", dass Männer daheim bleiben und nicht nur Frauen ist das auch nicht "frauenfeindlich".
Ich persönlich bin auch der Meinung, dass Frauen aufgrund der 9monatigen Schwangerschaft eine höhere Bindung zu einem Kleinkind haben und daher besser geeignet sind sich um das Kleinkind zu kümmern. Auch diverse Hormone spielen dabei eine nicht unwichtige Rolle. Ob es jetzt richtig ist, dass junge Familien von staatlicher Seite "gezwungen" werden, dass auch das zweite Elternteil mindestens 2 Monate Elternzeit beantragt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich würde es ja verstehen, wenn die 2 Monate zusätzlich von Steuergeldern finanziert werden wenn nur das zweite Elternteil dann daheim ist (dadurch würde der erste Elternteil natürlich zum arbeiten "gezwungen", aber das willst Du ja) aber wenn in den 2 Monaten in denen der "Zweitpartner" Elternzeit nimmt auch der erste Elternteil daheim ist, dann klingt das für mich einfach nach 2 Monaten zusätzlichen Urlaub für den zweiten Elternteil. Auch finde ich es unfähr, dass Familien die sich entscheiden, dass sich ein Elternteil voll und ganz um die Kinder kümmert 2 Monate weniger Elternzeit bezahlt bekommen.
Und ich hoffe sehr, dass sich das schnell ändert, wenn endlich mal die alten Unionsmänner die Änderung der Rahmenbedingungen für eine wirkliche Gleichberechtigung nicht mehr so leicht blockieren können. Und wenn es nur das ist, was eine junge Mutter als Kanzlerin umsetzt, hat es sich langfristig schon gelohnt, sie zu wählen. Mit den beiden anderen Kandidaten ist das wieder nicht zu erwarten und es dauert wieder mindestens 4 Jahre länger bis D endlich mal in der familien- und frauenpolitischen Moderne ankommt.
Also ist für Dich "Gleichberechtigung" wenn der Statt Menschen zu etwas zwingt bzw. bestraft wenn sich eine Familie entscheidet, dass die Frau daheim bleibt. Aktuell werden Familien bei denen nur ein Partner zu Hause bleibt schon mit 2 Monate weniger Elternzeit bestraft. Du möchtest also noch mehr Strafe, ok, das passt zu Grün - wenn wir die Menschen nicht überzeugen können, dann müssen wir halt über Geld oder andere Repräsalien erziehen. Ist natürlich eine Möglichkeit, wenn auch keine die mir gefällt, in welche Richtung auch immer die staatliche Erziehung geht.
