Quotenschwarzer per se rassistisch? (Forum)
Muss sagen, dass ich persönlich den Begriff "Quotenschwarzer" auch nicht unbedingt per se rassistisch finde.
"Rassismus" ist das Abwerten von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Phänotyps oder ethnischen Herkunft.
In diesem konkreten Fall liegt die Herabsetzung jedoch vielmehr beim Begriff der Quote.
Der Vorwurf "Quotenschwarzer" insinuiert ja eigentlich, dass Aogo in seiner Funktion nichts taugt und nur deswegen eingestellt wurde, weil er schwarz ist bzw. die Verantwortlichen bei Sky Diversität fördern wollen und im Namen des Antirassismus selber rassistisch handeln.
Das ist ein Vorwurf, der mich an Aogos Stelle oder an Stelle des Sky-Personalleiters auch wütend machen würde. Nur ist das nicht per se Rassismus. Es kann rassistisch gemeint sein, wenn die sich so äußernde Person generell denkt, dass Schwarze bevorteilt werden, eigentlich nichts können usw., aber um das zu wissen, müsste man in Lehmanns Kopf reinschauen können.
In einer Sache hast Du ja nicht unrecht: Jeder soll mal drüber nachdenken, wie schnell er selber mal ein grenzwertiges Wort sagt.
[Ich hab definitiv mindestens einmal im Leben ein anderes Wort für "Frauenquote" gesagt, was ich hier bewusst nicht reinschreiben werde, um bewusst überspitzt dieselbe ins Lächerliche zu ziehen. Und es fallen mir sicher noch zig andere Beispiele ein, wenn ich mal länger drüber nachdenke. Mir ging es damals eben gerade darum, dass es KEINE Rolle spielen sollte, welche Geschlechtsmerkmale man hat wenn es um Posten geht, aber es war keine politisch korrekte Ausdrucksweise
]
Wenn jeder das TÄTE, gäbe es viel weniger "Empörungsdiskussionen" (nicht nur in Deutschland!) und weniger Spaltung in der Gesellschaft.
Damit meine ich NICHT, dass man jedes Wort anderer Menschen akzeptieren sollte, sondern sowas erstmal unter vier Augen klären sollte, wenn man sich durch ein Wort eines Anderen verletzt fühlt. Das gilt i.Bes. für Menschen mit weniger Bildung, die sich oft nicht so gewählt wie Akademiker ausdrücken können. Gerade in der Arbeiterklasse verstehen ja viele die heutige "Political Correctness" gar nicht mehr.
Mir persönlich wird jedenfalls schon lange nicht mehr genug differenziert zwischen "echtem" Rassismus/Sexismus/Antisemitismus und mglw. grenzwertigen Begriffsbenutzungen, über die man erstmal reden sollte.
Glaubt mir, es wäre eine bessere Welt und die Leute würden eher freiwillig aufhören manche Begriffe zu benutzen. Nicht alle, klar, aber viele. Jedenfalls mehr als heute, wo ein in der Tat gefährlicher Backlash dadurch entstanden ist, dass man aus mancher Mücke einen Elefanten gemacht hat.
Das "Phänomen Trump" war über weite Strecken ein gigantisches "Fuck you" an übertriebene "Political Correctness". Davor warne ich seit Jahren!
Was Jens Lehmann geritten hat, diese SMS zu schicken, verstehe ich allerdings auch nicht. In einem geschäftlichen Kontext geht das gar nicht. Ich finde es auch total unfair gegenüber Aogo, weil siehe oben.
Allein ich habe trotzdem mit dem Vorwurf des Rassismus meine Probleme. Jedenfalls wenn dieser Vorwurf nur auf diesem einzelnen Wort beruht. Würde man Lehmann vorwerfen, ein "Kameradenschwein" zu sein, fände ich das im gegebenen Kontext hingegen viel nachvollziehbarer 
