Pro Rad - Gegen Engstirnigkeit (Forum)

Chris (aus WS), Tuesday, 12.09.2017, 18:50 (vor 3145 Tagen) @ my mobile mind

Es ist doch schön, dass die meisten von uns über eine Vielzahl von Verkehrsmitteln verfügen können. Fast jeder hat ein Radl. Die meisten ein Auto. Und fast alle haben einen akzeptablen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich nutze alle Möglichkeiten der Mobilität ohne eine zu glorifizieren oder zu verdammen. Manchmal brauche ich das Auto, weil ich was zu transportieren habe oder schnell wohin muss oder weil ich keinen Bock auf die S-Bahn habe. Manchmal fahre ich Bahn weil ich schneller bin als mit dem Auto und entspannter ankomme und unterwegs arbeiten oder lesen kann. Manchmal fliege ich, weil die Entfernung zu groß ist oder weil das Angebot einfach unschlagbar günstig ist. Manchmal fahre ich mit dem Rad, weil ich Bewegung oder frische Luft will und kostenlos vorwärtskomme.

Ich nehme an das geht den meisten so und ich sehe nicht ein, warum ich den Nutzer des einen oder anderen Verkehrsmittels für dumm erklären soll. Ich verstehe diesen Hass nicht der da immer aufkommt.

Von Hass keine Spur. Hier in der Bar ohnehin nicht, aber auch sonst ist die Diskussion eher von gegenseitigem Unverständnis geprägt als von Hass.
Bei der Wahl des situativ geeigneten Verkehrsmittels geht es aber nicht nur darum, was für den jeweils anstehenden Weg das Praktischste ist, sondern auch darum, was man mit der eigenen Verkehrsmittelwahl anderen an Lärm und Abgasen zumutet. Und da darf man schon festhalten, dass sich viel zu viele viel zu oft trotz anderer Möglichkeiten fürs Auto entscheiden. Deswegen stimmt es eben auch, was oben schon mal geschrieben wurde: wenn ich das Auto systematisch fördere, erhalte ich am Ende mehr Autoverkehr. Wenn ich Radlinfrastruktur schaffe, erhalte ich mehr Radverkehr.
In München-Innenstadt ist die Situation natürlich nochmal eine andere. Aber schon auf den S-Bahn-Außenästen lässt das ÖPNV-Angebot deutlich nach und jegliche Stadt- und Verkehrsplanung ist rein aufs Auto zugeschnitten. Da gibt es Baugebiete, wo im Bebauungsplan 2-3 Auto-Stellplätze je Wohnung vorgeschrieben werden, aber von einer Fahrradstellplatzsatzung, wie München sie zum Glück hat, hat da noch kleiner was gehört. Da werden Supermärkte mit hunderten von Autoparkplätzen aber ohne einen einzigen Radlständer auf die grüne Wiese geschnalzt. Und als Gegenpol hast du dann innerstädtisch Einzelhandelsverbände, denen es wurscht ist, wenn die Innenstadt (Kleinstadt in dem Fall) immer menschenfeindlicher wird, Hauptsache den Autos geht es gut. Von einer freien Wahl des Verkehrsmittels, wie du sie oben beschreibst, sind wir in den weit überwiegenden Teilen dieses Landes immer noch meilenweit entfernt.


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