Wie man eine Stadt am besten zerstört... (Forum)

HHeinz @, München, Friday, 08.09.2017, 13:19 (vor 3146 Tagen) @ my mind

1972 hatte München 1,339 Mio. Einwohner, 2017 sind es 1,55 Mio. Dieser Anstieg um rund 211.000 Einwohner in rund 45 Jahren (auch wenn ich zugegeben die Zahlen der Stadt München für geschönt halte) soll also die aktuelle Preisexplosion begründen.


Wesentlich dürfte wohl eher der Wohnflächenkonsum je Einwohner sein. Immer mehr Einpersonenhaushalte und immer mehr Flächenbedürfnis des Einzelnen. Meines Wissens nach hat sich die Wohnfläche je Einwohner in München in diesem Zeitraum verdoppelt. Da habe ich jetzt aber auf die Schnelle keinen Beleg dafür gefunden.

Wohlhabende haben natürlich ein höheren Wohnanspruch. Das ist ja u.a. ein Merkmal der Gentrifizierung. Ich will das prinzipiell auch nicht abstreiten, habe aber Zweifel dass es sich hier automatisch immer um gestiegene Ansprüche handelt.

Wenn z.B. Kinder aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sind steigt automatisch der zur Verfügung stehende Wohnraum pro Person. War er vorher besonders üppig kann man im Einzelfall überlegen ob der Umzug in eine kleinere Wohnung Sinn macht. In München ist diese Möglichkeit jedoch in der Regel versperrt denn in der Regel kostet eine kleinere Wohnung nach einem Umzug sogar deutlich mehr.
Dazu kommt dass es generell den Trend zu weniger Kindern gibt (auch wenn München hier wohl eine Ausnahme darstellt). Unklar ist wie viele Familien sich vielleicht auch wegen der Berufs- und Wohnsituation gegen ein (weiteres) Kind entscheiden.

Es gibt auch auch andere Extremsituationen in der sich z.B. 4 Bauarbeiter ein 20qm Zimmer teilen und dafür pro Person jeweils 300 Euro Miete bezahlen. In meiner Nachbarschaft steht so ein heruntergekommener Wohnklotz. Tolle Wohnheime. Denen soll man mal erzählen dass ihre Wohnansprüche in den letzten 40 Jahren gestiegen sind.
Ich zitiere mal:
76 Zimmer, 247 Betten.
Fällt vermutlich auch unter die gestiegene Anzahl an Singlehaushalten. Auch das ist so ein Punkt. Es gibt gar keine verlässlichen Statistiken wie viele dieser Singlehaushalte denn gewollt sind. Ich behaupte sogar bei der chaotischen Situation gibt es überhaupt keine verlässlichen Zahlen über die Belegungssituation in Wohnungen.

Ich verschließe die Augen nicht. München hat als Anziehungspunkt aus ganz Deutschland/Europa natürlich eine hohe Anzahl an Menschen angelockt die mit einem hohen Einkommen auch verrücktere Sachen finanzieren können. Nur hat das eben teilweise auch eine Verdrängung zur Folge denn die Friseuse kann in der Regel nicht Morgen bei Google im Marketing anfangen sondern ist in ihrer Lebensrealität relativ gefangen.
Wobei die Theorie dass wir uns als Dienstleistungsgesellschaft zukünftig alle gegenseitig für Geld die Haare schneiden wäre noch einmal ein Thema für sich.


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