Zahlenmaterial zu Intensivbetten (Forum)

Herbert, Saturday, 20.11.2021, 11:10 (vor 1645 Tagen) @ BlueMagic

Ich zitiere jetzt mal nicht die einzelnen Passagen zu denen die folgenden Infos "passen":

1. Artikel aus dem Ärzteblatt wohin die 686 Millionen Euro für zusätzliche Intensivbetten gegangen sind: https://www.aerzteblatt.de/archiv/220623/Intensivbetten-Aufklaerung-ueber-13-700-Betten

2. Artikel / Infos von NDR bzw. WDR zum Thema was mit den Intensivbetten geschehen ist: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/intensivbetten-113.html

3. Artikel in dem Deutschland mit über 33 Intensivbetten den Spitzenplatz bzgl. der Anzahl der Intensivbetten je 100.000 Einwohnern belegt - und das war schon vor der Pandemie bzw. vor dem Aufbau der zusätzlichen Betten mit Zahlung von 686 Millionen Euro: https://www.aok-bv.de/hintergrund/dossier/krankenhaus/index_23466.html

4. Für den Europäischen Vergleich noch mal ein PDF: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2020/IW-Report_2020_Krankenhauskapazitaeten.pdf

5. Verteilung der Intensivbetten innerhalb Deutschlands nach Bundesländer: https://www.gesundheitsmarkt.de/anzahl-intensivbetten-statistik-nach-bundeslaendern/

6. Zeitreihen zu Intensivkapazitäten: https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen

Vor allem 5. zeigt recht gut, dass vor allem Bayern, Hessen und Baden-Württemberg mit nur 26 Plätzen je 100.000 Einwohnern im Vergleich zu Mecklenburg-Vorpommern = 56 Plätze je 100.000 Eiwohner und auch Bremen und Berlin mit 43 bzw. 42 Plätzen je 100.000 Einwohnern schon sehr viel besser aufgestellt sind.
Wenn man dann noch den 1. Artikel liest und dort dann von insgesamt 686 Millionen Euro von bayerischen Kliniken nur 13,7 Mio. "abgerufen" wurden (ok, Baden-Württemberg hat relativ viel mit 89,6 Mio. "abgerufen" und dort sind auch nicht mehr Betten oder es waren vorher sehr viel weniger Betten als in Bayern), dann wurde hier versäumt Kapazität in Bayern aufzubauen.

Auch 6. zeigt bei der Grafik "Einschätzung der Betriebssituation" ein Problem (wahrscheinlich mit Personal), dass kaum thematisiert wird bzw. nicht als Grund für die erforderlichen Maßnahmen nicht genannt wird. Mit jedem weiteren fehlenden Intensivpfleger im Krankenhaus wird die berufliche Belastung für die verbleibenden größer.

Wenn ich mir dann noch https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2021/2-quartal/corona-gutachten-beirat-bmg.html durchlese, dann kommen bei mir Zweifel auf, dass es den Krankenhäusern wirklich schlecht geht - demit meine ich die wirtschaftlichen Betreiber der Krankenhäuser und nicht die Angestellten. Das die operativ Verantwortlichen auf den Stationen extrem belastet sind ist mir klar, aber wenn der Staat immer weiter Geld in die Krankenhäuser "pumpt" ohne zu klären was damit gemacht wird, dann ist es natürlich einfacher die "Schuldigen" für die Probleme auf den Intensivstationen in Bayern an anderer Stelle zu suchen.

Für mich, das ist aber meine persönliche Meinung aufgrund diverser Fakten (meiner Meinung nach keine "alternativen Fakten" - siehe z.B. die oben aufgeführten Zahlen / Quellen) ist folgendes in Bayern falsch gelaufen:

1. zu frühe Öffnung der Diskos, Großveranstaltungn, etc. ohne Testpflicht für alle (war auch ein Signal für private Treffen, dass "man sich an gar nichts mehr halten muss")
2. Abschaffung der kostenlosen Tests
3. Kein Aufbau sondern sogar eher Abbau der Intensiv-Kapazitäten
4. Keine Einschränkung für private Treffen (auch mehrere hundert Personen dürfen sich ohne Tests privat treffen)
5. schlechte Bezahlung bzw. schlechte Arbeitsbedingungen im Bereich Pflege- / Klinikpersonal / etc. und damit einhergehender Personalmangel (dadurch fehlendes Personal zum Betrieb der Betten)

Aber es ist natürlich, vor allem für die Politik, einfacher wenn man alles auf die "Nicht-Geimpften" schiebt und diese als unsolidarisch brandmarkt.

PS: Nur mal so eine Textaufgabe:
In Bayern stehen statt 26 Intensivplätzen pro 100.000 Einwohner (der aktuelle Wert) nun der deutschlandweite Schnitt von 33,8 (ca. Wert aus 2019) an Intensivbetten zur Verfüung. Wir gehen von einer 30% Belegung (sollte ca. dem aktuellen Wert in Bayern entsprechen) mit Covid-Patienten auf den Intensivstationen aus. Wie viel mehr Corona-Patienten in Prozent könnten bei dieser Erweiterung der Intensivkapazitäten intensiv versorgt werden ohne andere Patienten bzw. die Kapazität für eine andere Belegung (nicht Corona) zu tangieren?

Meiner Meinung nach ist die Antwort: "Doppelt so viele" bzw. 100% mehr bzw. insgesamt 200% - liege ich da richtig oder hab ich falsch gerechnet?

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