@lustiger_hans (Forum)

Herbert, Sunday, 28.02.2021, 11:33 (vor 1910 Tagen) @ lustiger_hans

- DSGVO -> ein Traum für alle Buchhalter, insbesondere Personalbuchhalter, im Homeoffice mit den Familienangehörigen


Ok, du unterstellst also deinen Mitarbeitern, sich nicht an Gesetze halten zu können?

ja, aber nicht, weil die Mitarbeiter es nicht wollen, sondern weil die Mitarbeiter es teilweise nicht können bzw. mit unberhältnismäßigem Mehraufwand verbunden ist. Wenn man kein eigenes Arbeitszimmer hat wird es sehr schwer Unterlagen verschlossen aufzubewahren und ja, es ist menschlich wenn man daheim die Unterlagen nicht in einen Schrank sperrt wenn man auf die Toilette geht. Unsere Büros haben Schlösser mit Keycards und wenn jemand sein Büro verlässt, dann ist das zu und nur Berechtigte haben Zutritt - das geht daheim einfach nicht. Da habe selbst ich ein Problem und bei mir geht es nur, da ich praktisch keine gedruckten Unterlagen benötige, sondern meinen PC sperre wenn ich "aufstehe" und mir was zu trinken hole.
Habe selbst bei unserem Steuerberater (teilweise Home-Office) bei einer Video-Konferenz erlebt wie der Lebenspartner "mal kurz" ins Büro kam und einen Ordner raus geholt hat. Da ist Datenschutz nur sehr, sehr schwer zu realisieren und zwar, wie gesagt, nicht weil man (bzw. die Kollegen) das nicht möchten, sondern weil es einfach nicht mit sinnvollem Aufwand geht.

- Arbeitsstätten-Verordnung -> Die Arbeitsflächen müssen groß genug sein (mindestens 160 x 80 Zentimeter). Zum Bildschirm muss ein Sehabstand von 50 bis 60 Zentimetern erreicht werden. Die Büroarbeitsstühle (Drehstühle) müssen vielfach verstellbar, standsicher und ergonomisch gestaltet sein. - Da kann der Gesetzgeber schon "durchgreifen" und das Home-Office "vorschreiben" wenn dann der Unternehmer für den Arbeitsplatz "daheim" verantwortlich ist - wird dann interessant wenn der Unternehmer dann das Recht hat in die Wohnung des Mitarbeiters zu gehen um zu prüfen ob alles eingehalten wird, zumindest muss er das tun wenn er keine Probleme mit der Berufgsgenossenschaft bekommen möchte.


Nein, die gilt zwar bei einem kompletten Heimarbeitsplatz, nicht aber bei dem, was gerade unter "Homeoffice" läuft, also in der Arbeitswelt eigentlich meistens unter "virtueller Arbeitsplatz" oder "mobiles Arbeiten" läuft. Die Unverletzlichkeit der Wohnung muss also hier nicht aufgehoben werden.

Das sag doch mal bitte irgendwelchen Kontrolleuren der Berufsgenossenschaft oder anderen staatlichen Stellen wenn ein Mitarbeiter über Monate mehr als 90% von daheim arbeitet ob das dann noch als "virtueller Arbeitsplatz" oder "mobilies Arbeiten" gilt. Da wird dann von irgendwelchen Richtern ganz in Ruhe entschieden, dass man nicht korrekt gearbeitet hat und ich höre jetzt schon den Satz "Aber Sie müssen sich schon an alle Regeln halten und nicht nur an die Corona ....".

Wenn wir jedem Mitarbeiter ein Einzelbüro zur Verfügung stellen und in den Büros in denen normalerweise 5-6 Leute arbeiten dann 2 sitzen von uns hochwertige Luftwäscher installiert werden, dann sehe ich da schon einen sehr großen Unterschied zur aktuellen Situation in den Schulen und auch teilweise in den Behörden.


Ja, aber das passiert in der Fläche nur, wenn man es gesetzlich vorschreibt. Bei weitem nicht alle Arbeitgeber sind dazu gewillt. Und hier musst z.B. auch du unter den Deppen leider, die halt immer nur mit Gewalt aus allem Kohle rauspressen wollen

Muss da aber auch sagen, es schaut sonst so aus, als würde alles nur falsch laufen, dass folgende Punkte sehr gut umgesetzt wurden:
1. Kurzarbeitsmöglichkeiten (wobei auch da bin ich gespannt ob nicht bei einer Prüfung noch "was nach kommt" und aufgrund irgendwelcher Formfehler - wir sind es nicht gewohnt Kurzarbeit zu beantragen - dann doch Geld zurück gefordert wird) sind gut umgesetzt und helfen vielen Unternehmen damit man wieder sinnvoll durchstarten kann wenn es wieder "normal/er" wird. Die Auszahlung ist hier auch sehr "schnell" aber klar, das ist halt für die Behörde zwar aktuell viel mehr Aufwand als normal, aber trotzdem ein gelebtes Verfahren.
2. Überbrückungshilfe III und da vor allem die Möglichkeit Hygienemaßnahmen (Luftfilter, Zwischenwände, Desinfektionsspender, etc.) gefördert zu bekommen. Da es uns nicht "so schlecht" geht zwar nur mit 40% aber da kommt dann doch eine gute 6-stellige Summe zusammen was dann schon hilft. Bin nur gespannt wie hier die Auszahlungsmodalitäten in der Praxis dann erfolgen.

Und Leute, bei denen das technisch problemlos möglich ist (<- Bedingung!), daheim arbeiten zu lassen, ist deutlich weniger Eingriff, als z.B. eine Ausganssperre. Und gleichzeitig werden damit weit mehr zufällige Kontakte vermieden.

PS: Was ich noch vergessen habe, so aus dem "echten Leben": Einige meiner Kollegen wollen unter keinen Umständen ins Home-Office. Aus unterschiedlichen Gründen wie z.B.
- kleine Wohnung mit Kindern
- Single und kaum andere "Ansprache"
- 100% der Zeit mit dem Partner "nicht gewünscht"
- kein sinnvoller Arbeitsplatz möglich


Ok, nun nehmen wir mal an, wir haben eine Pandemie mit weltweit hunderttausenden Toten und ein paar Leute haben aber Befindlichkeiten, wegen denen sie leider nicht an den Maßnahmen teilnehmen können. Wahnsinn. GENAU DESWEGEN gehört das dann eben gesetzlich vorgeschrieben. Mir soll es zumutbar sein, dass ich mich nicht mehr aus der Wohnung bewegen darf, aber denen ist es daheim halt nicht genehm. Tut mir leid, aber so ein Verhalten ist einfach nur asozial den anderen Leuten gegenüber, auch denen, die zum arbeiten raus müssen.

Einzig das Argument "kein sinnvoller Arbeitsplatz möglich" lasse ich noch gelten, das lässt sich ja dann objektiv begründen.

Hast Du (kleine) Kinder? Je nach dem wie groß die Wohung ist, ist kein sinnvolles Arbeiten möglich und dann sind wir eben wieder beim Thema "Trägt die Minderleistung dann der Arbeitnehmer (arbeitet länger) oder der Arbeitgeber oder der Staat (der Dich zwingt daheim zu arbeiten)?".
Auch wird komplett ausgeblendet, dass viele Kollegen (und ja, das merke ich aufsteigend) mit der Zeiteinteilung im Homeoffice nicht klar kommen. Da wird dann auch mal bis spät in die Nacht hinein gearbeitet weil man ja viel weniger schafft (dauernde Störungen) oder nach dem Essen nur noch "kurz die Mails checken" oder im internen Messenger-System noch mal ein paar Anmerkungen gemacht, etc.. Viele kommen ohne klare "organisatorische" Trennung von Arbeit und Privat nicht selbst damit klar. Bei Führungskräften ist das einfacher. Entweder die können das trennen oder die sind das gewohnt das alles "vermischt" aber kommen damit dann auch klar. Für viele Kollegen/innen ist das aber jetzt "Neuland" und das führt dann zu vielen anderen Problemen die aber kaum diskutiert werden.


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