Ist Jan Böhmermann links? (Forum)

Sohn des Landes der Schweiz-Bezwinger !, Wednesday, 25.11.2020, 01:07 (vor 2030 Tagen) @ Nikiforov

Ja. Und eine Frage des Zeitgeistes.

Stimmt.

Als Wirtschaftsliberaler bist Du wirtschaftspolitisch ja auch "rechts". Weil Linke hier auf einen starken Staat, Steuern als Korrektiv und Regeln für den Markt pochen. Nix für dich, oder?

Für mich ist halt ein eher schlanker Staat gerade der leistungsstarke, effiziente Staat während ich einen fetten Staat eher für schwach und ineffizient halte. So halte ich bspw. die Schweiz für einen stärkeren und besser organisierten Staat als Frankreich. [Und Deutschland übrigens auch, weil Föderalismus über Zentralismus siegt.]

Zudem soll der Staat ober- und außerhalb der Wirtschaft stehen, quasi wie ein Schiedsrichter beim Fußballspiel, und eben nicht selber mitwirken und somit zum Spielball von Partikularinteressen werden.

Staatliche Ordnungspolitik finde ich bis zu einem gewissen Grad völlig in Ordnung. Ich will ja einen "freien Markt" (iSv. "frei von Zwang und Gewalt", wobei Betrug auch eine Form von Gewalt ist) und keinen "vogelfreien Markt" (wie es bspw. die Schwarzmärkte für Drogen heute sind, wo sich dann kriminelle Banden bis aufs Blut bekämpfen).

Von Umverteilung halte ich in der Tat nicht so viel. Von mir soll aus jeder auf seinem Einkommen eine Flat Tax bezahlen. Auch interessant finde ich eine Bodenwertsteuer nach Henry George, die die alte Grundsteuer ersetzen könnte.

Eine migrationsfreundliche Politik kann für mich durchaus als ökonomisch rechts interpretiert werden, während es aus linker Sicht gute Argumente gegen Migration gibt.

Stimmt. Erinnere mich an die Debatten innerhalb der Linkspartei um Frau Wagenknechts Aussagen zur Migration.

Links ist aber auch die Position, dass Menschen frei und gleich sind, sich also frei ansiedeln dürfen.

Das Letzte sehe ich eben nicht so. Innerhalb Europas (EU, Schengen-Raum) finde ich Freizügigkeit eine sehr gute Sache. Weltweit würde dies jedoch leider zu Chaos führen. Vielleicht irgendwann eines fernen Tages, als Ideal kann man sich das in der Theorie vorstellen, aber nicht in der Praxis hier und heute.

Und dass Flüchtenden und Verfolgten zu helfen ist. Ob das in langfristiger Aufnahme erfolgen muss, sei mal dahingestellt...

Asyl und Zuwanderung trenne ich komplett. Bei Asyl hilft man (temporär) politisch Verfolgten und Kriegsflüchtlingen, also Menschen in Not, unabhängig von ihrer "ökonomischen Verwertbarkeit".

Wenn ich von "Zuwanderung" rede, meine ich explizit Leute, die aus "wirtschaftlichen und/oder sozialen Gründen" einwandern wollen. Und da finde ich dann ein Punktesystem wie in Kanada oder Neuseeland eben gar nicht so verkehrt. Zudem sollten Einwanderer erstmal keinen Anspruch auf Transferleistungen haben. Erstmal sollte man eine gewisse Zeit in ein Sozialsystem einbezahlen, bevor man etwas rausbekommen darf.

Aber Butter bei die Fische. Eigentlich bin ich vor allem skeptisch punkto Zuwanderung aus muslimischen Regionen, spezifisch Naher Osten und Nordafrika. Generell würde ich sagen, dass ich sehr offen für neue Menschen- egal woher!- bin (in Israel habe ich mich auch mit Arabern durchaus gut verstanden) und ich freue mich auch wenn ich interessante "Expats" in Luxemburg-Stadt treffe (jeder, der schon mal in Luxemburg war, weiß wie multikulturell und polyglott hier alles ist), jeder soll auch seine Religion frei ausleben dürfen (solange diese nicht gegen die FDGO verstößt), aber ich würde halt niemals wollen und sage das eben auch laut, dass Luxemburg irgendwann solche Probleme hat wie Luton.

Nicht jede Kulturbereicherung ist halt schön. Am meisten stimmen mir da gerade Exiliraner zu, deren Eltern gerade vor diesem Obskurantismus geflüchtet sind und nun mit Erschrecken sehen müssen wie in Paris Lehrer geköpft und in Wien Synagogen beschossen werden.

Was das jetzt konkret migrationspolitisch bedeutet? Kann ich selber nicht sagen, aber in einer ersten Phase wohl mal "extreme vetting" bei allen Migranten und auch Asylanten aus bestimmten Regionen dieser Welt, egal wie politisch inkorrekt und trumpistisch das jetzt klingt.

Die grössten Spinner sind allerdings leider schon "home grown" wie dieser Choudary. M.W. ist der in London geboren. Da ist es leider nicht mehr möglich den auszuweisen, weil man Jahrzente vorher die Probleme bereits mit seinen Erzeugern importiert hat, was eben Luxemburg gottseidank nicht getan hat. Wir haben Gastarbeiter aus Italien und Portugal geholt, deren Nachfahren heute fast alle (rechtschaffene) Luxemburger Staatsbürger sind. Eine sehr gute Entscheidung!

Was man jetzt bei Menschen wie diesem Choudary macht, weiss ich nicht, aber irgendwie muss man das halt total bekämpfen. Natürlich in einem demokratischen Rahmen. Besser ist jedoch wenn man solche Leute erst gar nicht auf seinem Territorium hat. Leider haben wir zwar in meiner Heimatgemeinde ein paar Salafisten, die vom Geheimdienst überwacht werden, aber das Problem ist überschaubar. Aber in anderen europäischen Ländern schaut es leider richtig schlimm aus.

Ich sage wohlverstanden nicht, dass man jetzt AfD, Geert Wilders odgl. wählen soll. Von mir aus können auch Einwanderer kommen, aber sie müssen bestmöglichst integriert werden und die schlechten Teile ihrer Kultur müssen aufgegeben werden.

Man muss Links-Rechts wenigstens wirtschaftspolitisch und gesellschaftspolitisch differenzieren, würde ich sagen.

Stimmt. Das Nolan-Diagramm bietet wenigstens schon mal eine Dimension mehr, ist insofern etwas hilfreicher aber eigentlich ist die Realität noch viel komplexer. Säkular vs. religiös, anthropozentrisch vs. ökozentrisch, national vs. international usw. usf.


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