Statistiken vergleichbar gemacht (Forum)
Die Grafiken sind schon vergleichbar. Und Herbert hat das auch genau richtig gemacht. Sinkende (Durchschnitts) Reallöhne haben wir vor allem durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors.
Ob das allerdings zB für München stimmt, dass die Mieten weniger stark gestiegen sind als die Löhne vermag ich nicht zu sagen. Das Problem jeder Statistik ist, dass sie dir im Einzelfall nicht weiter hilft.
Ein Marktfetischist bin ich übrigens nicht. Ich erkenne schon an dass der Markt zu Härten und Ungerechtigkeiten führen kann, die auszugleichen sind,wenn wir von Grundbedürfnissen wie wohnen sprechen. Ohne eine Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus wird es nicht gehen. Aber ich bin auch strikt dagegn, den Markt dort durch Preisgrenzen zu vernichten wo er gut funktioniert.
Und: Meine These war bewusst und ausdrücklich provokant formuliert. Ich möchte nicht dass alle die es sich nicht leisten können aus der Innenstadt vertrieben werden. Diversität ist wichtig und erdet und verhindert Ghettobildung. Wohind das führen kann wenn nur noch die Geldigen in der Innenstadt wohnen kannst du in Paris, London, New York oder wo fast auch immer besichtigen.
Um mich hier nicht als hässlichen Neoliberalen darzustellen: Ich zahle lieber etwas mehr Steuern und kann dafür ohne Knarre aus dem Haus gehen.
Die beiden Grafiken kann man so natürlich nicht vergleichen. Da hast du völlig recht. Mir ging es nur um den Trend und darum die Parameter, über die man reden muss, zu bebildern. Das hätte ich dazu schreiben müssen.
Ein großer Teil der Beschäftigten verfügt heute über eine geringere Kaufkraft als noch vor 20 Jahren. Die Nettoeinkommen sind zum Teil stark gesunken. Inflationsbereinigt verdienen die Deutschen weniger als vor der Jahrtausendwende. (1) / (2)
Leider nicht gesunken, sondern stark gestiegen sind hingegen Aufwendungen für die Mietzahlung, insbesondere in Ballungsräumen. Die Faustregel, nach der der Anteil der Miete am Einkommen 1/3 nicht übersteigen sollte, ist in München, Berlin, Hamburg etc lange schon nicht mehr haltbar. (3)
Nun könnte man wie unser Barfreund myXYZmind argumentieren, dann sollen die mit weniger Kohle halt in die Vorstädte oder noch weiter weg ziehen. Oma Häusler musste in den Münchner Gschichten schon in den 1970er Jahren ins Exil nach Neuperlach. Heute würden dafür weder Dachau noch Erding, Freising oder Grafrath reichen, weil die Fahrkosten die geringe Ersparnis auffressen – das Mietniveau im Umland ist dafür bereits zu hoch.
Das ist ein ernsthaftes Problem, dem man politisch entgegen wirken muss. Es kann auf Dauer für eine Gesellschaft nicht gesund sein und selbst ein Marktfetischist wie unser Freund wird das Münchner Flair schwer vermissen, wenn in seiner Umgebung nur noch Vermögende ohne Kinder in Luxuswohnungen leben. Viel Spaß im Zoo kann man da nur wünschen

