Mietspekulation? Sozialneid! (Forum)

HHeinz @, München, Wednesday, 30.12.2015, 18:25 (vor 3754 Tagen) @ my invisible hand mind

Wenn das Vermieten von Wohnraum so ein geiles Geschäft ist: Warum wird dann nicht mehr gebaut und vermietet?

Ich empfehle Dir mal einen Spaziergang durch München ;-) Fast keine Straße ohne Baustelle.
Warum wird nicht noch mehr gebaut? München ist wenn ich mich recht erinnere bereits die am dicht besiedelt-ste Stadt Deutschlands.

Ich bin dafür das Thema grundsätzlich vom Markt regeln zu lassen. Mietpreisbremsen, Preisobergrenzen und ähnliches führen nur dazu, dass weniger gebaut wird. Die Renditen - auch wenn es keiner glauben will - sind doch für Neubauten ohnehin im Eimer. Wenn Du dir heute eine Wohnung kaufst, zahlst du locker das 25-fache der Jahresmiete.

Ein Markt schützt die Starken und tut wenig für die Schwachen. Denn wenn man auch teuer vermieten kann warum sollte man es günstiger tun? Man kann immer dafür sein etwas den Markt regeln zu lassen allerdings braucht man für einen funktionierenden Markt doch auch ein ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie eine Vielzahl an Marktteilnehmern.

Dafür must Du finanzieren, renovieren, Mietausfall kompensieren, Zinsrisiken tragen (wenn Du in 10 Jahren zu 7% refinanzierst) und die Nebenkosten tragen die nicht auf den Mieter umlegbar sind. Wenn da in den Folgejahren nicht Mietsteigerungen winken, dann ist das heute schon komplett uninteressant.

Du hast das glaube ich mit der Spekulation noch nicht verstanden ;-). Es gibt einige Immmobilienbesitzer die lassen die Wohnung komplett leer stehen. Der Gewinn entsteht momentan allein schon durch die steigenden Immobilienpreise, oft 10% pro Jahr. Das gilt leider auch für Grundstücke. Unbebaute Fläche ist in München ein rares Gut und wird immer wertvoller. Schön wer hier Grundbesitz hat.Nach 10 Jahren im Besitz ist ein Spekulationgewinn bei Privatpersonen steuerfrei. Als gewerblicher Verkäufer gilt wer ca. 3 Immobilien pro Jahr verkauft. In München kommt man vielleicht auch mit 2 ganz gut über die Runden.

Fiskalisch gelöst wird das heute schon. Wenn Du keinen Gewinn aus der Vermietung erwirtschaftest, dann zahlst Du keine Steuern auf diese Einkünfte.

Es ist in der Tat momentan schwierig bei einem Kauf über die Miete einen echten Gewinn zu erwirtschaften. Schuld sind häufig die hohen Grundstückspreise und dass man für besonders hohe Mieten besonders hohe Baustandards erfüllen muss.

Ich stelle aber mal bewusst eine provokante These in den Raum: Wohnen ist zwar ein Grundbedürfnis, aber es hat durchaus nicht jeder ein Anrecht darauf im Zentrum eines Ballungsraumes zu wohnen. Du glaubst nicht wie billig der Wohnraum wird wenn Du nur eine Stunde mit dem Zug fährst!

Ja es hat vermutlich durchaus Vorteile wenn ärmere Bevölkerungsschichten nicht direkt in der Stadt wohnen.Aber davon abgesehen gebe ich Dir in diesem Punkt sogar recht. Allerdings sollte man dabei nicht ignorieren dass der öffentliche Nahverkehr seit Jahren über der Inflationsrate die Preise erhöht, die Auslastung gerade im Berufsverkehr bereits sehr hoch ist und man inzwischen schon sehr weit fahren muss um eine echte Einsparung zu realisieren.
Zumindest wenn wir von München reden.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mietwohnungen-bitte-keinen-neuen-balkon-1.2798168

Bitte keinen neuen Balkon! Wenn ein Eigentümer seine Wohnung umfassend modernisiert, darf er danach die jährliche Miete um elf Prozent der Modernisierungskosten erhöhen. Große Wohnungskonzerne planen deshalb für 2016 Modernisierungen im großen Stil und machen damit bei den aktuell niedrigen Zinsen ein Bombengeschäft.

Weil ich grad schon am Frühstückstisch mit der Liebsten drüber diskutiert hab — ham auch grad eine Mieterhöhung bekommen —, stell ich die Frage nochmal in meiner Stammbeisl: Ich kann nicht verstehen, warum immer so komplizierte Regelwerke geschaffen werden, um "exorbitanten Mietsteigerungen" in den Ballungszentren entgegen zu wirken? Heiko Maas will nach seiner nahezu wirkungslosen Mietpreisbremse jetzt nachbessern.

Warum wird das Problem nicht einfach fiskalisch gelöst? Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Wer als Immobilienbesitzer der Gesellschaft einen Dienst erweist und human vermietet, zahlt wenig bis gar keine Steuern auf seine daraus resultierenden Einnahmen. Wer seine Mieter aussackelt, Wohnungsnot ausnutzt und den letzten Cent rauspresst, zahlt auf dieses Geschäft derart hohe Steuern, dass das Spekulantentum für ihn zum Nullsummenspiel wird. Wäre das nicht viel sinnvoller?

Die Wahrheit ist vermutlich dass es momentan keine politische Mehrheit für einen fairen Wohnungsmarkt gibt denn hier müsste der Staat massiv eingreifen und davor schreckt er, aus teilweise nachvollziehbaren Gründen, zurück.

Es sind auch oft Kommunen oder das Land welche Grundstücke und Liegenschaften meistbietend versteigern oder es werden ganze Wohnungsbaugesellschaften verkauft. Da wo ich wohne (Nymphenburg) hat die Deutsche Bahn über Grundstücksgesellschaften riesige Grundstücksflächen über mehrere Jahre ausgeschlachtet. Entstanden ist entlang der S-Bahn Stammstrecke größtenteils Wohnraum im gehobenen Preissegment sowie Sozialwohnungen. Die Einnahmen hat die Deutsche Bahn inzwischen in ihren Bilanzen verfrühstückt.

Klingt vermutlich viel nach Klassenkampf, ich möchte aber betonen dass ich persönlich mit meiner Wohnsituation einigermaßen zufrieden bin.
Wer arm ist für den sorgt der Staat, wer reich ist kann für sich selbst sorgen. Wer irgendwo dazwischen liegt der muss sich eben nach der Decke strecken.

Das oben angesprochene Gesetz ist eben hauptsächlich ein Ergebnis guter Lobbyarbeit. Ich finde aber den Ansatz, über die Besteuerung eine gewisse Lenkungsfunktion zu erreichen, nicht unattraktiv. Nur müsste der Staat dann eben die zusätzlichen Mittel auch in diesem Bereich wieder reinvestieren.

So entsteht am Osram Gelände in Giesing jetzt leider nicht unser modernes Parkhaus für Pendler und Fussballfans sondern Luxuswohnungen in Isarnähe. Wie schade ;-)


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