Mal was zum Thema Radfahren ;-) (Forum)
Liebe Lobbyisten der Autofahrer,
in München hat die Einwohnerzahl von 2010 bis 2020 um 13% zugenommen (+179,823). München ist damit weit vor Berlin (ca. 4.300 EW/km²) mit über 5.000 Einwohnern pro km² die am dichtesten besiedelte Stadt in Deutschland. Die Zahl der zugelassenen KFZs hat in diesem Zeitraum um 23% (+160.026) zugelegt (Qualle: Monatszahlenmonitoring muenchen.de/Rathaus/Statistik). Der Platz hat aber nicht zugenommen. Eingemeindungen gab es keine. Das logische Ergebnis dieser Entwicklung ist die momentane Verkehrssituation. Vor 10 Jahren (obwohl damals auch schon Radfahrer) habe ich mich noch nicht über die Verkehrssituation beschwert. Inzwischen ist es aber schlichtweg unerträglich geworden. Zu viele Menschen verbrauchen einfach zu viel Platz. Leider kann man keine Jedi-Ritter-Armee rund um die Stadt postieren, die jede Gewerbe-Neuansiedlung der Googles, Amazons, Apples und Microsofts dieser Welt im schönen München verhindert. Also muss man mit dem vorhandenen Platz sparsamer umgehen. So weit, so logisch, oder???
Neben Wohnen und Gewerbe ist der Verkehr einer der größten Platzfresser in der Stadt. So ein KFZ mit im Schnitt um die 10 m² verbraucht halt einfach sehr viel Platz. ÖPNV (Ausbau hat man leider in den letzten Jahrzehnten massiv verschlafen, danke Herr Ude!) und Fahrrad schneiden da wesentlich besser ab. Der Platzverbrauch Fahrrad zu Auto liegt bei etwa 1:6.
D.H., es muss möglichst schnell die Zahl der zugelassenen KFZs in dieser überfüllten Stadt reduziert und die Flächen platzsparenderen und menschenfreundlicheren Formen der Mobilität zugewiesen werden. Andernfalls gibt es hier nach Corona bald nur noch Stau.
Soweit zu den zu Grunde liegenden Zahlen.
Noch eine persönliche Anmerkung von mir:
Besuch regelmäßig meine Mutter im Pflegeheim in Laim. Wenn ich mit ihr Spazieren gehen will, habe ich ein Problem, weil die eh schon schmalen Bürgersteige alle paar Meter mind. zur Hälfte zugeparkt sind. Die KFZs müssen auch die Bürgersteige zum Parken nutzen, weil sonst keine Müllabfuhr und kein Rettungsdienst mehr durchkommen würde. Ich komme mit meiner Mutter am Arm nicht vorbei und muss sie, wackelig wie sie unterwegs ist, irgendwie an den parkenden Autos vorbei bugsieren. Da geht mir regelmäßig die Galle hoch! Schuld ist nicht der einzelne Autofahrer, der sein Gefährt so asozial parkt, sondern die schiere Zahl dieser Platzfresser!
Insofern sind Radschnellwege eine der Möglichkeiten hier Abhilfe zu schaffen (nach dem Motto Straßen erzeugen Autoverkehr, Radwege erzeugen Radverkehr) und eine attraktivere und sicherere Radinfrastruktur zu schaffen. Leider dauert das alles viel zu lang. Das mit dem Radschnellweg aus Garching ins Stadtzentrum ist ein einziges Trauerspiel. Ich behaupte (Vorsicht Verschwörungstheorie), dass letztendlich die Autolobby dahinter steckt.
Das Parken in der Stadt ist einfach zu billig. Irgendwie muss man einen Weg finden, die Kosten für das Parken (23 von 24 Stunden am Tag stehen sie sinnlos herum!) dieser Platzfresser an das Mietniveau zu koppeln. Am besten und schnellsten ginge das m. E. über die Gebühren für die Parklizenzausweise. So einer kostet momentan 30.- €/Jahr. Ein m² Wohnung ist in München warm praktisch nicht unter 20 € Miete im Monat zu bekommen. Das Parken eines KFZs und die damit verbundene Nutzung des öffentlichen Raums muss m.E. genauso teuer werden. Nur um die Anzahl der KFZs auf eine erträgliche Menge zu reduzieren. Der Andi Scheuer hat die rechtlichen Voraussetzungen für eine Anpassung sogar schon geschaffen. Leider ist das Thema bei der Stadtpolitik noch nicht angekommen. Das zusätzlich eingenommene Geld könnte man sehr gut für den Ausbau des ÖPNV nutzen. Für den Ausbau der Radinfrastruktur braucht man nicht mehr Geld, weil man durch den Rückgang des MIV einen erheblichen Teil der Kosten für Unterhalt und Bau von Autostraßen spart. Radwege sind viel billiger.
Und nun noch meine persönliche Ansicht:
Angesichts des offensichtlichen Platzmangels halte ich die arrogante Selbstverständlichkeit mit der viele diese Platzfresser in dieser dichten Stadt aus Gewohnheit, Faulheit und Bequemlichkeit immer noch ziemlich unreflektiert zu oft benutzen, schlichtweg für asozial!
Zumal Radfahren auch noch gesünder und billiger wäre. Die ökologischen Probleme der fossilen Antriebe schreibe ich nichts, weil ich kaum Ahnung von den Details habe. Ich weiß nur, dass die e-Autos, wie sie heute hier in D angeboten werden, nicht teil der Lösung sein können, weil sie auch viel zu viel Platz brauchen.
Und man komme mir nicht mit der Sozialkeule. So wie es je nach finanzieller Potenz unterschiedliche Lagen, Größen und Ausstattungen von Wohnraum gibt, gibt es durchaus auch verschiedene Möglichkeiten von Mobilität. Unterschiedlich teuer, unterschiedlich komfortabel und bequem. Leider wird die platzintensivste und teuerste immer noch zu sehr gefördert.
Und dass mir keiner jetzt mit der Radl-Rowdy-Keule kommt. Die gibt es tatsächlich. Wenn ich dürfte würde ich einigen Fahrradkollegen gerne sofort hohe Bußgelder aufbrummen, wenn sie im Winter ohne Licht, schwarz gekleidet auf der falschen Seite daher kommen.
Dazu sage ich aber: es gibt unter Fußgängern, Radfahrern, Autofahrern und Hundebesitzern jeweils etwa gleich viele Arschlöcher und Dummköpfe. Siehe den Deppen der in der Leopold die Litfaßsäule gecrasht hat.
Und nun zum Schwitzproblem vom Herbert:
Pedelec!
Ich fahre seit 2013 Pedelec. Inzwischen das Dritte. Verabschiedet euch von dem Gedanken, das sei etwas für alte Leute und Faule. Viele Untersuchungen und Studien dazu zeigen, dass man das was man an Kraftaufwand beim Pedelec spart, durch mehr und weitere Fahrten mehr als ausgleicht. Der Spaßfaktor mit so einem Ding, ohne sich zu verausgaben, durch den Wald zu fahren, ist einfach unbezahlbar. Außerhalb des irren Verkehrs in der Stadt gilt für mich, angepasst an die Situation natürlich: Hirn aus, Endorphine an! Der gesundheitliche Nutzen der Bewegung an der frischen Luft ist sowohl physisch als auch psychisch enorm hoch.
Problem sind natürlich derzeit die überhöhten Preise der Pedelecs. Aber billiger als ein günstiges KFZ sind sie allemal.
Nachtrag zum Thema Radfahren im Winter:
das geht mit der richtigen Ausrüstung sehr wohl. Wieder nur eine Frage der Bequemlichkeit. In diesem harten Winter bin ich ganze drei Tage wegen vereister Radwege widerwilligst auf den ÖPNV ausgewichen. Wenn den Autos der Platz weg genommen wird, können natürlich auch die Radwege besser geräumt werden. Dann würden vsl. auch die drei Tage im Jahr noch mit dem Rad gehen.
