Anarchy in the MVV (Forum)
Das ist die Krux mit diesen Statistiken.
Klar steigen die Unfallzahlen mit der Zunahme der Pedelecs. Logisch, dass es bei über 2 Mio. Pedelecs mehr Unfälle gibt, als noch vor vier Jahren mit unter 500.000 Pedelecs in D. Ich behaupte sogar, dass es unter Berücksichtigung der mehr gefahrenen Kilometer (mit Motor kann man einfach weitere Strecken schaffen und tut es auch weil es Spass macht!) nicht mehr Unfälle geworden sind.
Bei der Statistik nicht erfasst wurde der Unfallverursacher. Wie häufig haben die Pedelec-Fahrer den Unfall verursacht, wie häufig der Unfallgegner (i.d.R. KFZ- oder LKW-Fahrer)?
Klar gibt es viele Rentner, die nach jahrelanger Fahrradabstinenz durch die Pedelecs wieder zum Rad fahren animiert werden, bzw. ihnen der Motor das Rad fahren erst wieder ermöglicht. Das finde ich grs. sehr positiv. Denn Bewegung ist auch im hohen Alter verdammt wichtig. Wer sich viel bewegt bleibt gesünder und wird älter. Und der Zugewinn an Mobilität ist für die alten Leute einfach auch nicht zu unterschätzen. Man kommt mit den Dingern einfach weiter. Vielfach ist aber leider auch unsere unzureichende und gefährliche Fahrradinfrastruktur gehörig mit Schuld an den gefährlichen Situationen. Die Radwege meist wegen der absoluten Platzpriorität der Autos an den Rand zwischen parkende Autos und Fußgänger gezwängt. Meist geplant und gebaut vor dreißig oder vierzig Jahren als es noch wesentlich weniger Radfahrer und schon gar keine Pedelecs gab. Platz zum Überholen oft Fehlanzeige. Oder gefährlich. Kein Wunder, dass da viel passiert und auch du das Gefühl hast, dass es nicht mehr stimmig ist. Holland und Kopenhagen werden gerne als Positivbeispiele genannt. Da sollten wir hinkommen.
Klar gibt es auch Rentner, die erst mal wieder einen Fahrrad- und Verkehrskurs bräuchten.
Mal ein kleiner Beitrag von mir zum Thema Radfahren in München in einem anderen Forum:
Und ich stürze mich jetzt gleich wieder ins Großstadtgetümmel hier in MUC. Gott sei Dank kann ich dem größten Chaos jetzt zumindest z. T. ausweichen in dem ich über Hofgarten, Englischen Garten, Isarradweg einen Umweg fahre, dafür aber auf einem Teil des Weges keinen Autoverkehr habe.
Die Radl-Horrorstrecke muss ich leider viel zu oft nehmen:
Tal, Zweibrückenstraße, Rosenheimerstraße. Ein Graus! Im Tal kein Radweg, dafür aber 8m² Kisten mit meist nur einem Insassen, Taxis und Lieferverkehr. Einparken, Ausparken, in 2. Reihe stehen. Chaos. Da brauche ich mit dem Rad oft für wenige hundert Meter mehr als 5 Minuten.
Dann kommt die Kreuzung am Isartor. Meist Dauerstau im Berufsverkehr. 8 m² Symbole. Gehupe. Ampel praktisch immer rot. Nach der Kreuzung meist Fußgänger auf dem Radweg. Dann nach wenigen Metern wieder eine Ampel, die man mit dem Rad nie schafft. Danach in der Zweibrückenstraße der Radweg praktisch immer von einem Auto oder einem Lieferwagen zugeparkt. Daneben zwei Spuren stehende 8m² Symbole.
Im langsamen Schiebetempo auf dem viel zu engen Bürgersteig zwischen den Fußgängern durchschlängeln. Nach wenigen Metern eine Baustelle. Der Bauarbeiter hat seinen Baustellenzaun aufgemacht und schräg über den Radweg gestellt. Wieder auf den zu engen Bürgersteig. Über die Einmündung einer kleinen Seitenstraße drüber, wo man immer auf einen Rechtsabbieger gefasst sein muss oder es kommt einer aus der Seitenstraße, der nicht einbiegen kann, weil Stau. Ausweichen. Am Deutschen Patentamt entlang geht es dann ein paar Meter meist ganz gut. Bis zur nächsten Ampel vor der Ludwigsbrücke, die auch meist rot ist. Und wenn nicht, muss man praktisch immer damit rechnen, dass einen ein 8m² Statussymbol mit einem Insassen übersehen hat. Nach der Brücke geht es dann den Rosenheimer Berg hoch. Ein schmaler vom Gehweg abmarkierter sehr unebener Radweg. Fußgänger rechts. Langsame Radfahrer, überholen kaum möglich. Und dann auch noch -nicht so selten- Gegenverkehr/Geisterradler! Dann die Abbiegesituation vor dem Gasteig: ich will rechts die Rosenheimer weiter. Viele Radfahrer biegen an der Ampel links ab schräg über die Kreuzung in die Preysingstraße und blockieren an der roten Ampel den Radweg zum halbrechts weiterfahren. Wieder auf Fußgänger achten. Dann der auf der Straße abmarkierte Radweg in der Rosenheimer Straße neben dem Motorama. Parkende LKWs, Lieferfahrzeuge, ein- und ausparkende PKWs. Mit Warnblinke auf dem Radweg in 2. Reihe stehende PKWs. Es gibt im Berufsverkehr keinen einzigen Tag an dem ich da ohne auf die Straße ausweichen zu müssen vorbei komme! Dann die Kreuzung Rosenheimer Platz. Da ist der Radweg durch einen Grünstreifen getrennt vom Bürgersteig. Für die Fußgänger ist der Radweg damit aber der kürzeste Weg von und zur Ampel. Pech gehabt, lieber Radler: du bremst und schaffst die Grünphase der Ampel nicht mehr! Mir doch wurscht. Danach kommen die berühmt-berüchtigten 600 Meter der Rosenheimer Straße ohne Radweg. Jetzt ja gnädiger Weise seit ein paar Wochen nur noch Tempo 30. Ich will nicht nur negativ sein. Es ist tatsächlich etwas besser geworden. Einer selbsternannten Radlhauptstadt aber immer noch unwürdig. Geschwindigkeitskontrolle habe ich noch keine gesehen. Wenigstens nehmen die KFZ-Lenker jetzt mit den aufgezeichneten Fahrradsymbolen meist etwas mehr Rücksicht. Und nach den 600 Metern Tempo 30 ohne Radweg kommt die Kreuzung Orleansstraße. Auch ein Schmankerl. Die an der Ampel haltenden KFZs überhole ich immer auf dem Gehweg, weil ich es nicht einsehe mich in die Abgase zu stellen. Stelle mich dann gut sichtbar vor die Autos um bei Grün losfahren zu können. Auf der drüberen Seite der Kreuzung ist gerade Baustelle, d.h. Gehweg und Radweg sind dicht und ich muss schauen, dass ich möglichst schnell rüber komme um auf der rechten Autospur zu sein, bevor mich ein 8m² Symbol mit einem Insassen und vielen PS überholt. Dann geht es ohne Radweg (wegen der Baustelle) durch eine Bahnunterführung. Danach endet der Bauzaun und man hat eine kleine Auffahrrampe für die Radler geteert, damit sie wieder auf den Radweg kommen. Da diese relativ steil ist muss man etwas nach links in den überholenden Autoverkehr hinein ausholen, damit man nicht Gefahr läuft zu stürzen.
Man sieht, es macht so richtig Spaß im Berufsverkehr in MUC Rad zu fahren.
