bericht von weit weg (München) (Forum)

grasober, Monday, 10.07.2017, 10:21 (vor 3211 Tagen) @ Schindluder

Im Vergleich zu den Massen von Toten die der Kapitalimus jeden Tag produziert, gehen mir die Probleme die eine Zahnärztin hat weil ihr Q7 brennt ziemlich am Arsch vorbei

Ist natürlich bedauerlich, dass die politischen Anliegen und die Systemkritik dadurch in den Hintergrund gedrängt werden, lässt sich aber wohl nicht vermeiden, wenn die Polizei von Anfang an auf Provokation gebürstet ist um erstens 130 Millionen Steuergelder zu rechtfertigen und zweitens es ja wichtig ist zu zeigen, was die linken aus ihrer Sicht wirklich ausmacht.
Aber es war auch ne super Idee den Gipfel in Hamburg auszutragen und nicht z.b. Auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen.

Du hättest ganz sicher auch nix dagegen einzuwenden, wenn Dir einer von diesen "System-Kritikern" im Vorbeigehen mit der Faust ins Gesicht schlägt, oder? Weil was ist schon eine gebrochene Nase im Vergleich zu dem Elend andernorts auf dieser Welt, richtig?
Und ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen den kritisierten Verhältnissen und dem Ziel der zum Zweck dieser Kritik ausgeübten Gewalt scheint ja nicht so wichtig zu sein.

Ich habe allergrößte Sympathie für die vielfältige Kritik an der Politik der G20. Aber so groß meine Sympathie dafür ist, so groß ist meine Verachtung für den brandschatzenden Mob, der da durch Hamburg gezogen ist.
Die Besitzer der Autos und Läden die da verwüstet und abgefackelt wurden können nichts für die Missstände in der Welt. Ja, diese Leute leben in einem Land das von den Missständen andernorts teilweise profitiert, bzw für diese Missstände teilweise verantwortlich ist. Und ja, diese Leute haben diesen Zustand nicht beendet. Daraus folgt wohl in der Logik der Autonomen, dass diese Leute legitime Ziele der Gewalt sind. Aber wer sagt denn, dass die Zahnärztin deren Q7 gebrannt hat, oder der Inhaber des verwüsteten Spielwaren-Geschäfts nicht vielleicht ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig sind? Oder sich anderweitig engagieren? Ganz, ganz sicher jedenfalls tragen diese Leute nicht weniger zu einer besseren Welt bei als die Randalierer. Selbst wenn sie garnichts tun. Zumindest bringen sie die berechtigte Kritik nicht in Misskredit.


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