Nur das wenn die linken Marx Idioten... (Forum)

Schindluder, Sunday, 09.07.2017, 18:41 (vor 3204 Tagen) @ Commander
bearbeitet von Schindluder, Sunday, 09.07.2017, 18:51

"Wer immer noch behauptet, im Ostblock sei der Marxismus nur falsch umgesetzt worden oder der Marxismus sei am Egoismus der Menschen gescheitert, der lügt sich in die eigene Tasche."

Dass dort die Umsetzung falsch war hätte Marx mit Sicherheit auch so gesehen. Beweis genug ist hier seine Begeisterung über die Pariser Kommune. Welche basisdemokratisch organisiert war aber nach 72 Tagen vom Rest des französischen Staates zusammengeschossen wurde.
Marx hierzu: „Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Wiederbelebung durch das Volk und des eigenen gesellschaftlichen Lebens. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andere zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen. ... Die Kommune war die entschiedene Negation jener Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris ist, sie wird ihren Weg um die Welt machen.“ K. Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW 17, 541f.

Weiterer Nachweis zu seiner grundsätzlich demokratiefreundlichen Einstellung

"Die Kommunisten, weit entfernt, unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit den Demokraten nutzlose Streitigkeiten anzufangen, treten vielmehr für den Augenblick in allen praktischen Parteifragen selbst als Demokraten auf. Die Demokratie hat in allen zivilisierten Ländern die politische Herrschaft des Proletariats zur notwendigen Folge, und die politische Herrschaft des Proletariats ist die erste Voraussetzung aller kommunistischen Maßregeln. Solange die Demokratie noch nicht erkämpft ist, solange kämpfen Kommunisten und Demokraten also zusammen, solange sind die Interessen der Demokraten zugleich die der Kommunisten. Bis dahin sind die Differenzen zwischen beiden Parteien rein theoretischer Natur und können theoretisch ganz gut diskutiert werden, ohne dass dadurch die gemeinschaftliche Aktion irgendwie gestört wird. Man wird sich sogar über manche Maßregeln verständigen können, welche sofort nach Erringung der Demokratie im Interesse der bisher unterdrückten Klassen vorzunehmen sind ..." F. Engels, 7.10.1847. MEW 4, 317.

Für ihn hatten und haben wir aber jetzt keine Demokratie sondern eine Diktatur des Kapitals. Diese Meinung teile ich und hat G20 wieder eindrücklich gezeigt.
Da er seine Schriften vor der Oktoberrevolution geschrieben hat und auch davor gestorben ist, konnte man ihn zur Umsetzung in dem Fall natürlich nicht befragen. Ich denke aber er ist insoweit eindeutig.


Einige Marx`sche Grundthesen sind einfach grundfalsch:

Marx hat Tag und Nacht geschrieben, entsprechend viel ist veröffentlicht worden. Da ist durchaus Schmarrn dabei. Die Arbeitswerttheorie ist z.b. höchst umstritten und in seiner Grundausrichtung zumindest unvollständig. Man sollte auch bedenken, dass Marx vor 150 Jahren geschrieben hat. Er war sehr polemisch und politisch sehr unkorrekt. Wohl auch um anzuecken und Diskussionen voran zu bringen

"Die Diktatur des Kapitals muss durch die Diktatur des Proletariats abgelöst werden."
Schwachsinn: Jedes politische System muss auf der Freiheit des Individuums aufbauen. Wenn es das nicht tut, wird es früher oder später scheitern.

Marx sieht die Proletarier als das Volk. Da es daneben nur die Kapitalisten gibt. Also im Sinne von: die Menschen müssen sich die Macht durch Revolution zurückholen
Individuelle Freiheit ist im Kapitalismus für Marx nur eine Illusion. Sie existiert nur insoweit die innerkapitalistischen Sachzwänge, die an die Stelle persönlicher Abhängigkeit treten, als gleichsam naturnotwendig akzeptiert werden.


"Es gibt nichts als Materie. Religion ist Opium für das Volk."
Schwachsinn: Wir wissen, dass Energie für das Leben genauso wichtig oder sogar noch wichtiger ist als Materie. Wo Energie herkommt, wie sie umgewandelt und nutzbar gemacht wird, ob es kosmische Kräfte und/oder einen Gott gibt - das sind alles Fragen, die für ein Gesamtverständnis gestellt werden müssen. Wer sich auf Materie beschränkt, ist ein Ignorant, der einfach nichts versteht.

Was du mit dem "nichts als Materie" meinst versteh ich nicht und weiß auch nicht wo du das Zitat herhast. Bei Marx ist es noch irreführender als bei anderen Autoren Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen. Wenn du seinen dialektischen Materialismus meinst, kannst du das ja evtl. nochmal präzisieren. Wenn du auf Physik anspricht, hat Einstein bereits beweisen, dass Energie in Materie umgewandelt werden kann.
Zur Religion: Religionen sind Mythen die die Gesellschaft zusammenhalten. Dies war zu Marxens Zeiten noch ausgeprägter als jetzt. Sie lenkt für Marx die Menschen von den wahren Problemen ab und er bezeichnet sich darum als Opium. Drogen braucht ja jeder, denke das war bei Marx nicht anders

"Im kapitalistischen System wird der Arbeiter vom Unternehmer/Kapitalist ausgebeutet."
Schwachsinn: Jeder Unternehmer hat gern gut bezahlte und durch gute Arbeitsbedingungen motivierte Arbeiter. Aber: Auch der Unternehmer wird ausgebeutet - durch Zinseszins und Renditedruck unseres Finanzsystems. Hier liegt der Systemfehler! Nicht am Eigentum an Produktionsmitteln. Das hat das Volkswirtschafts-Genie aber glatt übersehen.

Du sprichst zwei Dinge an:
1. Der Arbeiter wird ausgebeutet. Ob du das bestreitest kann ich aus deinem Bezug danach auf die Unternehmer (in der Marxschen Dialektik Kapitalisten) nicht wirklich sagen. Gut bezahlen ist relativ und jeder Kapitalist muss den Mehrwert abschöpfen und reinvestieren sonst ist er weg vom Fenster. Marx ist kein Moralist, er beschreibt die Zustände. Daher wertet er diese Tatsache auch nicht, das ist ebenso im Kapitalismus
Entsprechend auch Punkt 2. die Kapitalisten werden ausgebeutet. Das sagt Marx auch mehr oder weniger so. Er meint, dass die Kapitalisten permanent unter fallenden Profitraten (wie du es nennst Renditedruck) leiden und er daher mehr und mehr ausbeutet und/oder die Produktivität steigern muss und dies auch tut. Nochmal für ihn waren Kapitalisten keine Bösen sondern auch Opfer des Systems


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