Maischberger (Forum)

lustiger_hans, Saturday, 17.04.2021, 16:52 (vor 1886 Tagen) @ Sohn des Landes der Schweiz-Bezwinger !

"Exzesse" sind hier hautpsächlich arbeits- und sozialpolitisch sowie im Sinne technischer (bzw. chemischer) Sicherhiet zu lesen. D.h. also z.B. Dinge wie Kündigungsschutz oder das Verbot von krebserregenden (aber halt deutlich billigeren) Chemikalien in Spielzeugen. Und ich persönlich wäre durchaus ein Freund von Gehaltsgrenzen, diese sind aber unten anzusetzen; wenn unten genug verdient wird, sind die Gehälter oben relativ wurscht. Das wiederum erfordert staatliche Eingriffe, da Mindestlöhne den Marktprinzipien wiedersprechen.


Gesetzlich fixierte Mindestlöhne lehne ich in der Tat ab, auch wenn es hierzulande einen gibt. Von den Tarifpartnern frei ausgehandelte Mindestlöhne sind hingegen eine andere Sache.

Funktioniert nur, wenn es kein starkes Machtgefälle zwischen den "Tarifpartnern" gibt. Schon sind wir wieder bei einem Eingriff, beispielsweise dem Streikrecht und Betriebsräten sowie der Sanktionierung von Unterschreitungen.

Kündigungsschutz-einverstanden, wobei man über die Details sicher streiten kann.

Vortrefflich sogar. Ein grundsätzlicher Kündigungsschutz ist allerdings auch gut für die Wirtschaft, da z.B. jemand mit einem sicheren Arbeitsplatz tendenziell mehr investiert.

Verbot von krebserregenden Stoffen - jein. Hängt für mich davon ab, wie gefährlich sie wirklich sind bzw. ob sie überhaupt wirklich krebserregend sind. Nehmen wir Glyphosat bspw. Wollen viele Menschen verbieten. Ich nicht. Jedenfalls nicht, solange das Bundesamt für Risikobewertung sagt, dass, solange die Grenzwerte eingehalten werden, Glyphosat eben nicht krebserregend ist. Zudem gibt es Stoffe die sehr wohl krebserregend sind, wo man aber die freie Wahl haben sollte, selber zu entscheiden ob man sie zu sich nimmt oder nicht (wie Zigaretten oder Alkohol.) Bei Kinderspielzeug wäre ich aber natürlich auch viel strenger als bei anderen Dingen.

Ich bin hier eher auf der Schiene von z.B. PAK, also klar schädlichen Substanzen, deren Einsatz aber halt eben Produkte "schön billig" macht. Und ggf. halt auch nicht durch den Endverbraucher klar feststellbar sind. Ob ich rauche oder nicht, kann ich selber erkennen und entscheiden, welche Stoffe in einem Spielzeug sind eher nicht.

Ein freier Markt kann schon alleine deswegen nicht frei von Zwang oder Betrug sein, weil man mit diesen beiden Mitteln Gewinne erzielen kann.


Es obliegt halt gerade dem Rechtsstaat den Markt davon frei zu halten. Das war eben mein Punkt. Natürlich wird es immer Gewalt und Kriminalität geben, aber diese muss eben bekämpft werden.

Hier wird ja oft auf den Drogenmarkt als Beispiel für einen freien Markt verwiesen, da er sich dem staatlichen Einfluss entzieht (nicht ganz richtig, da er ja durch Verbote beeinflusst wird, aber das Grundprinzip sieht man dort wirklich sehr gut).


Super Beispiel. Der Drogenmarkt ist für mich das Musterbeispiel eines (durch staatliche Prohibition) geschaffenen vogelfreien (schwarzen) Marktes, wie ich ihn eben NICHT will. Angefangen mit der extremen Gewalt zwischen den Konkurrenten bis hin zum Betrug durch Strecken des Endproduktes. Ich will einen freien Markt, keinen vogelfreien Markt!

Ich will keinen "Ich mache, was ich will"-Pseudoliberalismus, in dem es zum Recht des Stärkeren kommen wird wie eben bei Drogengangs, sondern echten Liberalismus, in dem die Rechte jedes Einzelnen respektiert werden.


Der Weg dazwischen ist ziemlich interessant. Da kann man Bücher drüber schreiben. Haben auch schon genug getan, so dass es dafür eigene Bibliotheken gibt ;-)

Das hilft alles nix, wenn der Schiri bezahlt ist ;-)


Bei einer klaren ordnungspolitischen Trennung von Staat und Wirtschaft würde es m.E. auch weniger Korruption geben. Vor allem wäre es einfacher, Korruption zu definieren und zu verfolgen. Denn heute mag vieles legal sein, was eben in "meinem System" korrupt wäre, da der Staat erst gar nicht mitspielen darf, sondern nur der Schiedsrichter ist.

Ja, wenn Politiker und der Verwaltungsapparat sich dann schlicht und einfach nicht wirtschaftlich betätigen dürfen, wäre das relativ einfach. Komplex wird es beim Kontakt mit der Realität. Und natürlich nicht zu vergessen, dass das jetzt ein zentrales Problem ist. Die meisten höheren Politiker verdienen sehr viel Geld durch "Nebentätigkeiten", die man, je nach Coleur, durchaus bereits als Korruption betrachen könnte.

Man braucht nicht zwangsläufig eine Mischform, wobei ich der Meinung bin, dass es ohne staatliche Teilnahme am Wirtschaftsverkehr nicht geht. Die Grundversorgung und Infrastruktur (z.B. Wasser, Straßen, Bahn) gehört nicht dem Markt ausgesetzt, da es schlecht ist, wenn diese als Spekulationsobjekt benutzt werden.


Da könnte man jetzt länger darüber diskutieren. Würde den Rahmen hier aber sprengen. Nur soviel: ich könnte damit leben, wenn die Infrastruktur (also bei der Bahn bspw die Schienen) in Staatshand blieben, die Nutzung (der Verkehr) jedoch marktwirtschaftlich organisiert wäre und jeder Marktteilnehmer halt Nutzungsgebühren für die Infrastruktur bezahlt.


Etwas ähnliches gibt es beispielsweise im Schienennetz ja (bedingt erfolgreich), der Strommarkt läuft auch ähnlich (schon deutlich erfolgreicher als die Schiene). Bei Dingen wie Wasser natürlich schwieriger.


Ich denke, so furchtbar extrem weit sind wir eigentlich gar nicht voneinander weg, obwohl Du sicherlich dem Staat mehr Aufgaben zuweisen würdest als ich, aber das gilt wohl für 95% meiner Mitmenschen ;-) Bassd scho.

Sind wir wahrscheinlich im Grunde nicht. Aber in den Details extrem weit entfernt. Das nennt man dann politisches Spektrum ;-)


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