Was ist ein Traditionsverein? (Forum)
Sorry, die Diskussion ist aber schon ein Schmarrn, oder?
Wie definiert man einen Traditionsverein? Gründungsjahr? Fanbasis? Jahre in der Bundesliga? Zahl der Fanclubs? Form der Finanzierung? Qualität der Jugendabteilung?
Die Traditionsvereine von heute waren oftmals die, die im Grunde zufälligerweise vor 50 Jahren die Kohle hatten. Woher auch immer. Damals halt eher durch Zuschauerzuspruch oder eben durch Mäzene (z.B. A. Wetzel). Für mich als inzwischen gealterten Realo hat der gesamte Profizirkus längst nichts mehr mit Tradition zu tun. Die wird halt zum Zweck der emotionalen Aufladung des eigenen Produkts beschworen. Das macht der eine besser (St. Pauli), der andere beschissen (60) oder ein ganz anderer durchschaubar (1899).
Bei 60 ist die wahre Tradition die Unfähigkeit der Führung, Geldknappheit und die Unfähigkeit Fans zu einen und an einem Strang zu ziehen. Und das eint eben viele alte Traditionsvereine, die es nach wie vor gibt, aber eben auf regionaler Ebene. Und das ist auch gut so.
Der Profifußball hat sich mittlerweile komplett abgekoppelt vom Amateurbereich, also dem eigentlichen Fußballspiel. Lächerlich ist doch, wenn die Vollprofis der zweiten Mannschaften als Amateure bezeichnet werden. Oder gar verschämt als U23. Da sind halt die Roten der Gipfel der Peinlichkeit.
Am Ende bestimmen die Konsumenten - mit Füßen, Kaufverhalten und Einschaltbereitschaft - den Wert der Marke Verein. Damit haben die neueren Marktteilnehmer FCA, 1899, RBL, FCI, WOB usw. auch zu kämpfen. Die mag eigentlich kaum jemand sehen.
Im Gegensatz zu den "Traditionsvereinen", die eben auf alternde aber noch recht breite Fanbasen zurückgreifen können. Ein Thema, welches hier im Forum seit Mitte der 90er Jahre in Dauerschleife diskutiert wurde, das aber bei Sechzig noch nicht angekommen ist. Und auch nicht mehr ankommen wird.
Es ist spannend zu sehen, dass vielen Löwenkonsumenten inzwischen ein, zwei emotionale Highlights zum Saisonende mit dem Motto "Drinbleiben" ausreichen, um alles super zu finden und auch kein Problem mit dem Mietverhältnis beim FCB zu haben. Absurd - aber es läuft.
Ich denke es wird in den kommenden Jahren eine komplette Aufspaltung des Fußballs geben. Konsumenten, die der Unterhaltungsindustrie Profifußball fröhnen - die werden nie ausgehen. Und hoffentlich wieder mehr Leute, die am Wochenende Amateur- und Jugendspiele besuchen.
Schön wärs zumindest. Dann hätte diese auf den ersten Blick bedauerliche Entwicklung doch einen Sinn.
Gruß
Fred
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Sechzig München gibt's nur in Giasing!
