Öhm ... (Forum)

harie, Thursday, 23.03.2017, 14:28 (vor 3331 Tagen) @ ice.bear#86

Das sind nur zwei Personen, aber ich halte das in gewisser Weise für repräsentativ. Und ich habe ehrlich gesagt auch ein gewisses Verständnis, wenn Fans so denken. Deswegen sind sie aber auch nicht dümmer oder gescheiter als die Ismaik-Kritiker. Nur eben anderer Meinung.


Das denke ich auch. Diese Meinungen sind durchaus repräsentativ.
Man bekommt sie fast immer zu hören wenn man mit dem "gemeinen" Fan und Mitglied spricht. Auch ich finde das ja durchaus als nachvollziehbar. Und sehe das bis zu einem gewissen Grad genauso. Jetzt kommt natürlich das Aber.

Bei Sechzig gibt es im Umfeld halt nicht viel zwischen weiß und blau. Und deshalb kommt das Wichtigste meistens zu kurz. Nämlich das WIE.
Also unter welchen Voraussetzungen kann man z.B. Ismaik einfach machen lassen.

Was ist mit dem Verein wenns schief geht? Ist der dann raus aus der Nummer oder ist er dann erst Recht mittendrin? Interessiert grade mal eine Hand voll, weil das am Stammtisch kein Thema ist. Da geht's nur um 1. oder 2. Liga, um Spielanalysen und notwendige Transfers.


Ja, absolut. Wobei am Umgang in manchen Fällen schon Kritik geübt wird, z.B. bei Kreuzer. Das hat bei mir im Bekanntenkreis keiner verstanden oder gut geheißen. Oft heißt es aber "mei, das ist doch überall/immer so."
Dabei frage ich mich: muss Ottonormallöwe firm in e.V.-Themen sein? Muss er sich den Kopf darüber zerbrechen, welche vereins- bzw. clubpolitischen Entscheidungen zu welchem Ergebnis führen könnten? Oder ist es nicht das gute Recht des "normalen" Fans, einfach nur auf das nächste Löwenspiel hinzufiebern und die Sommerpause totzuschlagen, in dem man Manager und Trainer spielt? Sich über Siege zu freuen und bei Niederlagen zumindest am Montag mies gelaunt zu sein?

Vom gemeinen Fan erwarte ich eigentlich gar nichts. Der soll ins Stadion gehen Fanartikel konsumieren und dazu beitragen dass der Umsatz passt. Und natürlich soll er auch dazu beitragen, dass der TSV 1860 an den Stammtischen und Vereinsheimen im Gespräch bleibt und in der Öffentlichkeit als existent gilt. Seine Meinung ist zwar nicht entscheidend, sollte aber bei der Entscheidungsfindung eines Mitglieds zumindest Berücksichtigung finden. Rein vermarktungstechnisch eine sehr wichtige Größe.

Das Mitglied dagegen sollte sich schon mehr darum kümmern was mit dem Verein passiert. Klar sind 90% über den Profi-Fußball zu 1860 gekommen und Mitglied geworden. Und das vorwiegend nicht bei Abstiegen, sondern den Aufstiegen. Aber wie das bei einem Verein so ist, entscheiden die Mitglieder nun mal über die Ziele des Vereins, und die Art und Weise wie diese erreicht werden sollen, und mit wem.
Und dazu muss man sich halt zumindest für die Vorgänge im Verein interessieren, um eine Entscheidung in einer Abstimmung oder Wahl auch im Interesse des Vereins treffen zu können.

Es ist natürlich schon auch klar, dass genau DAS ja Jahrzehnte lang nicht gewünscht war und soweit wie möglich auch unterdrückt wurde. Man hat sich halt daran gewöhnt nichts zu sagen zu haben, weil Alles auf eine Hand voll Delegierte abgeschoben wurde.

Für ein Mitglied sollte es also schon eine Relevanz haben ob der Verein sich in Gänze auflöst wenn Ismaik keinen Bock mehr hat den Profifußball zu finanzieren.
Ein Mitglied sollte sich schon dafür interessieren was Sinn und Zweck der Tätigkeiten des Vereins sind bei dem er Mitglied ist. Und wie seine Beiträge verwendet werden. Warum der Verein eine Kapitalgesellschaft betreibt und für welchen Zweck er das tut. Und was passiert wenn das schief geht.

Spannend wäre natürlich zu beobachten was bei verschiedenen Szenarien passiert, und wie sich die unterschiedlichen Folgen auf das künftiges Interesse der Mitglieder auswirkt. Ob das eher dazu führt, dass sich die Leute eben mehr mit diesem Hintergrund beschäftigen oder eher noch weniger. Ich glaube eher an Ersteres.

Zumindest konnte ich bislang feststellen, dass je mehr Leute über Zusammenhänge im Verein und KGaA aufgeklärt werden, sich mehr Leute auch wirklich Gedanken darüber machen. Und ich meine jetzt wirkliche allgemeine sachliche Aufklärung, nicht Anprangern von einzelnen Personen oder manipulatives Verfälschen. Einfach darstellen von was passiert wenn das..., dann das ...
Da merkst dann schon, dass sich mit der Zeit was bewegt und nicht mehr Alles einfach als Gottgegeben hingenommen wird. Es wird, wenn auch zaghaft, aber immerhin, mehr hinterfragt und diskutiert ob es nicht auch Alternativen gäbe.

Das erwarte ich von einem Mitglied. Ein sich zumindest fragen ob es nicht auch andere Wege geben könnte. Tut doch jeder im privaten Bereich auch wenn er eine mittel- oder langfristige Entscheidung treffen muss. Da rennt doch auch keiner obrigkeitshörig einfach einer einzigen Meinung hinterher. Da informiert man sich doch auch auf allen möglichen Kanälen.

Das ist für mich der Unterschied zwischen gemeinem Fan und gemeinem Mitglied.
Wie intensiv sich ein Mitglied dann weiter in die Themen stürzt ist dann eine eigene Baustelle. Das hängt besonders bei Sechzig natürlich von der individuellen psychischen Stabilität ab, wo die Grenze zum ertragbaren Maß an Wissen verläuft bevor man sich hinter den Zug wirft.

Im Ergebnis sollen sich eben beide einfach über Siege freuen, und über Niederlagen ärgern können. Weil im Hintergrund Alles für die Interessen von Verein und Kapitalgesellschaft anständig geregelt ist.


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